Lie to me

Wir fahren die Achterbahn des Lebens wie verdammte Junkies. Wir sind dressierte Affen, die nach Applaus und ihrer Banane verlangen. Wir fallen auf die Fresse und stehen wieder auf, hoch erhobenen Hauptes, als wäre nichts geschehen. Wir diktieren anderen unseren Willen und erwarten, dass alles im Leben nach Plan verläuft. Erwartungen – ein Wort mit so viel Bedeutung und doch keiner. Denn sind wir ehrlich mit uns selbst, gehen unsere Erwartungen schon an der Quelle kaputt. Wir stellen so viele Ansprüche und stecken so viele Hoffnungen in andere. Wir befördern uns selbst zu Stehaufmännlein. Wir jauchzen himmelhoch, wenn alles so läuft wie wir es uns wünschen, doch irgendann kommt stets der Punkt, an dem unser Leben nicht weiter nach dem Motto freie Fahrt gelebt werden kann, sondern einen beherzten Griff ins Lenkrad benötigt. Wir sind zutiefst enttäuscht, wenn die Wahrheit verbogen wird, die Seifenblase zerplatzt und wir uns wieder mit der harten Realität abfinden müssen, vor der wir zuvor verzweifelt geflüchtet sind.

Wir wohnen in Wolkenschlössern, reiten auf schlohweißen Schimmeln durch unsere, von uns selbst abgesteckte Welt, setzen dabei Scheuklappen auf und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Immer wieder fluchen wir auf andere, weil sie uns verletzen. Doch sind wir es nicht auch selbst, die wir uns selbst verletzen und sich selbst in die Scheiße reiten? Sind wir nicht genauso schuld an dem was uns wiederfährt, weil wir die Wahrheiten nicht anerkennen wollen? Indem wir nicht das Gute in anderen sehen, sondern das von uns selbst kreierte Ideal? Wir sondern aus, wir verzeihen keine Fehler. Wir verdrängen und suchen die Lösung für unsere eigenen Probleme in anderen, nur um wieder auf die Schnauze zu fliegen und zu erkennen, dass das so nicht funktionierte. Doch statt aus unseren Fehlern zu lernen, wiederholen wir sie immer wieder. Wir sind verrückt, innerlich total beknackt. Ohne Aussicht auf Besserung.
Wie pavlovsche Hunde die angerannt kommen, sobald die Glocke klingt, haben wir uns selbst auf vieles im Leben konditioniert und erwarten unser Futter. Wir hassen es, wenn andere uns belügen, aber auf unserem Lebensweg lügen wir uns selbst durchs Leben. Wir belügen Freunde, wir belügen unsere Familien, unsere Partner, unsere Kollegen und am meisten belügen wir uns selbst. Wieviel erwarten wir von uns selbst, wieviele Vorsätze stellen wir uns, nur um sie alle doch wieder zu brechen? Was versprechen wir uns selbst und anderen, nur um uns dann doch nicht daran zu halten?! Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, aber auf der anderen Seite oftmals auch seines eigenen Unglückes. Wie Lemminge rennen wir blind nach vorn, ohne nachzudenken, ohne abzuwägen und stürzen uns immer wieder aufs Neue in die Fluten. Damit haben wir zwar den Lemmingen eines voraus, weil wir zumindest irgendwann immer wieder aufstehen. Aber das löst unser eigentliches Problem nicht. Denn wir lügen wie eine Druckerpresse Zeitungen druckt – am Laufenden Band. Wir lügen um Ziele zu erreichen, wir lügen um andere zu beeindrucken, wir lügen schon von klein auf. Unsere ersten Lügen kommen bereits als Säuglinge über unsere Lippen, wenn wir nach Essen schreien, obwohl wir keinen Hunger haben und nur nach Aufmerksamkeit verlangen, weil unsere Eltern sich mit anderen Dingen beschäftigen. Und so wie Eltern dem Schrei des Kindes glauben, so hängen wir an den Lippen derer, die uns die schönsten Lügengeschichten auftischen. Wir reden uns selbst Lügen ein, bis wir sie glauben. Doch was macht all dies aus unseren Erwartungen an andere? Was bedeutet es, wenn wir schon mit uns selbst nicht ehrlich sein können und aus Selbstschutz jedes Mal eine Mauer errichten, die wir mit Lügen bepflastern wie die nächstbeste Hauswand mit Aufklebern. Wir sind alle selbst unsere Berliner Mauer, mit der wir die Wahrheit von den eigenen Taten trennen. Und obwohl genau dies der Alltag ist, glauben wir anderen blind, die genauso ihre Mauern bauen und mit Lügen Wolkenschlösser malen. Wir vertrauen blind, so lange bis wir selbst irgendwann begreifen, dass wir uns die ganze Zeit selbst belügen.

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