Hab doch mal Geduld. Oder wie man sich selbst viel zu oft manipuliert.

Erfahrungen prägen – ein Spruch der allzu oft zutrifft, aber uns auch genauso immer mal wieder in uns selbst behindert. Wir legen Verhaltens- und Denkweisen an, um uns zu schützen, um zu verhindern dass uns irgendjemand etwas anhaben könnte. Doch allzu oft schließen wir damit auch jene aus, die es wert sind, ihnen den Vertrauensbonus zu geben. Denn letztendlich wachsen wir zwar an unseren Erfahrungen und an unserer Vergangenheit, aber wenn es wirklich darauf ankommt, sind wir nicht selten unser eigener größter Feind. Unsere eigene Nemesis.

Ich bin da selbst keine Ausnahme. Eine Erkenntnis, die hart ist, ich mir aber wie jeder andere auch vor Augen führen muss. Denn nur wo Erkenntnis ist, nur wo Veränderung ist, kann auch Wachstum sein. Selbst wenn man noch so sehr in alten Verhaltensweisen festgefahren ist. Man kann uns die Hand reichen, man kann uns ermutigen und uns den Weg zeigen. Aber den ersten Schritt müssen wir selbst tun. Denn nur man selbst kann sich letztendlich wirklich zum Umdenken bewegen.

Nur weil etwas ähnlich zu sein schein, wie etwas, das man vorher schon erlebt hat, muss es nicht genauso sein. Nur weil unsere Erfahrung uns sagt, dass eine Situation nicht anders ist, heißt es nicht, dass es doch anders kommen kann. Viel zu oft schließen wir voreilige Schlüsse. Viel zu oft haben wir zu wenig Geduld. Zu wenig Geduld mit anderen. Zu wenig Geduld mit uns selbst. Und schließen damit intern ab, fangen an Stein für Stein unserer inneren Mauer aufzuschichten. Und indem wir dies immer wieder tun, fällt es zunehmend schwerer diese Mauer wieder einzureißen.

Mit sich selbst Geduld haben oder besser lernen mit sich selbst Geduld zu haben, das ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Zu lernen die Erfahrungen, die innere Stimme zum Schweigen zu bringen und uns darauf zu konzentrieren was das Herz sagt, statt auf den Kopf, denn das ist es worauf es wirklich ankommt. Herzmensch statt Kopfmensch zu sein. Und haben wir gelernt mit uns selbst geduldig zu sein, so können wir auch anderswo Geduld aufbringen und Ruhe in uns selbst finden.

Nun mag das leicht gesagt sein, denn unser Hirn schweigt nicht. Wie ein Supercomputer rechnet es sich durch alle Eventualitäten, beschert uns Kopfkino am laufenden Band und bombardiert uns nur so mit Fragen, auf die wir gerade keine Antworten kennen, dass der Kopf dröhnt.
Aber irgendwo muss man anfangen. Irgendwo muss man sich entscheiden doch einmal in eine andere Richtung abzubiegen, statt immer nur denselben Weg zu beschreiten. Denn sonst ist man gefangen in immer gleichen Verhaltensweisen, in immer gleichen Reaktionen. Gefangen in sich selbst.

Daher sollten wir jeden Tag uns selbst die Chance geben, aus uns selbst auszubrechen. Den ewigen inneren Nörgler zum Schweigen zu bringen. Ihm einfach mal das Maul zu stopfen und eine Auszeit zu verpassen. Uns selbst die Chance geben Ruhe zu finden und Geduld zu haben.

„Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.“
Johann Christoph Friedrich von Schiller

„Die schönsten Erinnerungen sind stets Erlebnisse, für die man sich Zeit genommen hat. Ich weiß genau, dass ich immer durchs Leben gehetzt bin, zu viel Ungeduld und Rastlosigkeit im Gepäck gehabt, zu viele Chancen verpasst, zu viele wertvolle Menschen im aufgewirbelten Staub übersehen habe.“
Charles Kuralt

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