Larks Aufbruch ins Ungewisse , part2 #Leseprobe

Für unsereiner mag es Geringes sein, einfach loszuziehen und die Welt zu erkunden. Für Lark jedoch war es die größte Herausforderung seines Lebens. Ein kleiner Schritt für einen Riesen, ein großer Schritt für einen kleinen Kalur. Seine Beine zitterten als würde er das erste Mal auf ihnen stehen. Seine Hände wurden feucht und schwitzig und er schaute nervös auf die vor ihm liegende unbekannte Welt. All seinen Mut zusammen nehmend atmete er tief ein, ging zögerlich los und tappste direkt in etwas ekelhaftes klebriges hinein. Sein ganzer Körper war plötzlich darin eingetaucht. Seine Hände, sein Gesicht, seine lange Schnauze und seine gesamte Kleidung waren darin versunken und davon umgeben. Lark atmete direkt erst einmal nur in Schnappatmung weiter. Er war gearadewegs in die dicken Gespinste hunderter Spinnen gelaufen, die sich zwischen dem lange nicht benutzten Pfosten des Torwegs befanden und er hatte absolut keine Ahnung was das war.

Zwar hatte Lark schon Spinnweben gesehen, aber dies hier war etwas ganz und gar Neues. Größer, massiger und klebriger. Verborgen im dichten Nebel des erwachenden Tages war er direkt blinglings hineingelaufen. Schwer atmend befreite er sich langsam Stück für Stück von den seinen Körper überspannenden Spinnweben und erschrak fast zu Tode, als eine handtellergroße Spinne sich von seinem Kopf direkt vor seinem Gesicht abseilte. Und als sich dann noch weitere Spinnenkörper in sein Blickfeld schoben, war es völlig um ihn geschehen und er fing an aus vollster Kehle zu schreien. Doch nicht nur Lark erschrak, auch die Spinnen erhielten nach ihrem erstem neugierigen und zögerlichen Erkunden den Schreck ihres Lebens. Denn das was sich da in ihren Netzen verfangen hatte, war ganz und gar nicht das, was sie erwartet hatten. Es war zu groß, man konnte es wahrscheinlich auch nur ganz schlecht für den späteren Verzehr aufheben und es sah auch irgendwie gar nicht schmackhaft aus. Und zu allem übel zerstörte es einfach so ihre Jagdgründe. Und es hörte nicht damit auf. Als wäre all das nicht nicht genug, krächzte es auch noch in grässlichen ohrenbetäubenden Lauten. Die acht Augen jeder einzelnen Spinne wurden groß, sie stellten ihre Härchen auf und riefen alle wie auf Kommando um Hilfe. Lark schrie. Die Spinnen schrien. Oder eher fiepten, denn mit ihren doch eher winzigen Stimmenerzeugungsapparaten war das Erzeugen lauter Töne mit Verlaub einfach nicht möglich. Lark wunderte sich kurz und hielt inne.
Stille.
Und dann schrien wieder alle zusammen.

In der Zwischenzeit sammelten sich weiter hinten im Dorf einige Schaulustige und schauten aus sicherer Entfernung nach, was solch einen Radau verursachte. Zur Hilfe kam Lark jedoch niemand. Das wäre allerdings auch arg wunderlich gewesen, immerhin waren im Dorf nur Kalure. Und wie es um deren Mut bestellt ist, ist ja mittlerweile bekannt.
Lark versuchte indes weiter verzweifelt sich aus seinem plötzlichen Gefängnis zu befreien. Hilfe bekam er unvermittelt von den Spinnen, die panisch versuchten, so viel von ihren Netzen zu retten wie möglich, indem sie das Stück, in dem er sich verfangen hatte kurzerhand rundherum freischnitten.

Plötzlich sackte Lark nach vorn. Die verbliebenen Netze hatten nicht mehr genug Haltekraft, rissen und gaben den Kalur frei, ließen ihn nach vorn purzeln und sich mehrmals überschlagen. Mit dem Gesicht voran im Dreck blieb er kurz liegen, bevor er sich schwerfällig daran machte, aufzustehen. Die Spinnen hatten sich indes auf dem Torbogen versammelt und fiepten ihm wütend hinterher. Sich von den letzten Spinnwebenresten befreiend, setzte Lark sich auf, blickte schwer atmend, wie nach einem Dauerlauf, zurück. So allmählich wurde ihm doch mulmig und er stellte sich die Frage ob dies wirklich die richtige Idee war. Aber sein Hunger auf Neues trieb ihn unbändig voran, auch wenn sein Herz einen Dauerplatz in seiner Hose gebucht hatte. Und durch das verwunschene Tor mit all den großen, schwarzen, furchterregenden Dingern wollte er nun echt nicht zurück. Also blieb nur der Weg nach vorn.

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