Memento deliriosa

Es war ein schöner Abend. Unbeschwert. Lustig. Es wird nicht mehr daraus werden als Freundschaft. Mal was trinken gehen, mal zusammen was unternehmen. Aber nicht mehr. Und das ist auch okay so. Ich hatte auch nicht mehr erwartet. Warum eigentlich nicht? Vielleicht bin ich schon zu abgeklärt, vielleicht passte es einfach nicht, vielleicht hielt sie einfach zu sehr Distanz. Aber es ich nicht wichtig das Leben geht weiter. Ich trinke noch ein paar Drinks und morgen ist ein neuer Tag.
Weggenickt. Schweißgebadet erwache ich. Da war es wieder. Dein Gesicht brach sich erneut in meine Träume. Wie ein verstohlener Dieb schlich es sich ein und entwendete mir etwas. Meine Ruhe. Selbst nach mehr als einem halben Jahrzehnt vermagst du es noch immer, mich innerlich zutiefst zu bewegen. Obwohl du längst nicht mehr da bist.

Nicht dass es noch eine Rolle spielen würde. Ich lebe mein Leben. Du lebst das deine. Unsere Wege haben sich getrennt, ungesagte Worte stehen wie messerscharfe Klippen zwischen uns. Das Vertrauen zerbrach und kommt nie wieder. Ich habe lange gekämpft. Alles versucht, doch irgendwann erkannt, dass es nichts brachte. Dass ich diesen Kampf alleine focht. Ich bin hoch geflogen und in unendliche Tiefen gefallen. Und irgendwann bin ich meinen Weg weiter gegangen. Auch ohne dich. Ein Teil von dir bleibt, doch nun gehen wir verschiedene Wege und das ist gut so.
Und doch geisterst du immer wieder durch meinen Kopf, wie ein Schatten, der einem überallhin folgt. Wie ein Albtraum, aus dem man immer aufs neue erwacht. Vielleicht ist es gerade deswegen so, weil so vieles unausgesprochen blieb. Vielleicht ist es, weil du mir etwas gabst, was bisher nie wieder jemand fähig zu geben war.
Ich realisiere was mir fehlt… Authentizität. Ehrliches und wahrhaftes Interesse. Vielleicht bin ich in der falschen Zeit geboren. Vielleicht wurde die Zeit nach der unseren so schnelllebig, dass niemand mehr sich Zeit nehmen will. Früher war es romantisch und bedeute dem Gegenüber etwas, wenn man sagte, dass die Person einem wichtig geworden ist. Heute scheint es alles andere zu tun und Fluchtreflexe auszulösen. Unkompliziert, schnell, hitzig. Feuerwerk. Aber bitte keine Gefühle. Ich glaube das nennt man Beziehungsunfähigkeit. Das neue Krebsgeschwür unserer Gesellschaft. Die Symptome sind weithin sichtbar: Hektik, mediale Abgestumpftheit, chronisches Unvertrauen und so vieles mehr. Wir haben keine Zeit.
Shit vielleicht ist es wirklich die falsche Zeit. Ich weiß nur ich kann das nicht. In meiner Lieblingsbar sitzend sehe ich wie einer der Kerle, die den ganzen Abend am Nachbarstisch saßen, die junge Blonde vom anderen Nachbarstisch abschleppt. Alle wissen worauf das hinausläuft. Schneller bedingungsloser Sex und morgen kennt man sich nicht mehr. Nichts für mich. Nicht mehr. Ich will mehr als Oberflächlichkeit, mehr als nur einen nicen Abend. Aber wem erzähl ich das? Mein Whiskeyglas ist schon wieder leer. Das hört mir sicher nicht zu. Sonst wäre es schon wieder voll. Ich lege einen Zwanziger auf den Tisch und stehe auf. Es wird Zeit heim zu gehen. Allein wie immer. Darauf hoffend das irgendwann die Person kommt, die einen nicht gehen lassen will.
Der Regen klatscht trommelnd in mein Gesicht. Passt zu meiner Stimmung. Scheint die Gedanken der letzten Tage hinwegschwemmen zu wollen. Gut so. Morgen ist ein neuer Tag.
Advertisements

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s